📩🧃Projekt Lebensmittelabgabe: Mehr Planungssicherheit fĂŒr EmpfĂ€nger*innenđŸ„«

Olivia Menzi, PrÀsidentin des Vereins "Mehr als zwei"

Das Zuviel dorthin bringen, wo es zu wenig gibt: Der Verein «Mehr als zwei» hat im September einen Pilotversuch gestartet mit der Abgabe von ĂŒberschĂŒssigen Lebensmitteln an Personen mit schmalem Portemonnaie. Die Ortswahl fiel auf Arbon. Im Fokus des Angebotes stehen Personen, die aus verschiedenen GrĂŒnden nicht von der Verteilung von geretteten Lebensmitteln profitieren können. Im Interview zieht PrĂ€sidentin Olivia Menzi Bilanz ĂŒber den Versuch mit PĂ€ckli fĂŒr einen Unkostenbeitrag 10 Franken mit rund 10 Kilogramm haltbaren Lebensmitteln.

Ein Monat Lebensmittelabgabe in Arbon: Wie ist es gelaufen, Olivia?

Gut. Wir haben diese Woche die dritte PĂ€ckliserie verschickt. Die Anmeldungen fĂŒr die Abgabe haben unsere Erwartungen ĂŒbertroffen. Wir sind jetzt am Optimieren.

Was gibt es zu optimieren?

Zum Beispiel das Datum der Bezahlung des Unkostenbeitrags. Ich bin davon ausgegangen, dass unser Zielpublikum ab dem 25. oder 26. des Monats ĂŒber Geld verfĂŒgt. Jemand hat uns geschrieben, dass die AHV erst Anfang Monat auf dem Konto ist. Auch die Bezahlart haben wir angepasst. Wir haben erfahren, dass unsere EmpfĂ€nger oft nichts mehr auf dem Konto haben, aber noch ĂŒber Bargeldreste verfĂŒgen.

Von wievielen EmpfÀngern sprechen wir bei eurem Versuch in Arbon?

Es haben sich 73 Haushalte angemeldet mit 199 Personen; in 40 Haushalten leben auch Kinder.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Zum Beispiel: Man kann nie etwas zusammenstellen, mit dem man es allen recht macht. Daher ist uns wichtig, dass die Leute vorher sehen, was sie bestellen: Wir verschicken eine detaillierte Liste mit dem Inhalt der Pakete.

Um alles möglichst genau in Erfahrung zu bringen, schicken wir ein Feedbackformular mit. So kam aus, dass unsere EmpfĂ€nger teils mehr unverarbeitete Lebensmittel haben möchten. Viele haben das Formular jedoch nicht ausgefĂŒllt. Vermutlich gibt es da auch ein Sprachenproblem. Wir könnten in einer PĂ€ckliserie eine Beilage machen mit Hinweisen, wo diese Menschen UnterstĂŒtzung bei Problemen mit der Sprache bekommen.

Braucht es euer Angebot ĂŒberhaupt?

Ohne Partner geht es nicht: „Mehr als zwei“ arbeitet zum Beispiel mit Markus Hofmann von „Foodcare“ zusammen, einem Projekt fĂŒr die Verteilung von Lebensmitteln, die weggeworfen wĂŒrden.

Sicher ist, dass es ein Angebot in etwa dieser Art braucht. 95% der Antwortenden sagen, es hilft ihnen. Klassischerweise haben Lebensmittelabgaben bestimmte Öffnungszeiten. Dorthin kann aber nicht, wer sehbehindert oder nicht mobil ist oder zu den Öffnungszeiten arbeitet. Schwierig ist zudem, dass sich die BezĂŒger mit den vorhandenen Lebensmitteln arrangieren mĂŒssen: Um einzukochen und Dinge sofort zu verarbeiten, haben «Working Poor» oft keine Ressourcen.

Wie wollt ihr damit umgehen? Es fallen ja schliesslich einfach die ÜberschĂŒsse an, die anfallen.

Es braucht Intermediatoren: Organisationen, die Lebensmittel fĂŒr die BedĂŒrftigen holen und zum Beispiel einpickeln und einkochen. Es ist nicht zu unterschĂ€tzen, was das fĂŒr einen Effekt hat, wenn solche Arbeiten auch noch mit Liebe gemacht werden. Ausserdem brĂ€uchten die PĂ€ckliempfĂ€nger mehr Planungssicherheit. Also wĂ€re es gut, wenn eine Institution zum Beispiel jeweils Reis dazukauft, wenn keiner anfĂ€llt.

Habt ihr solche Angebote bekommen?

Auf jeden Fall hat sich schon mal das regionale Freiwilligennetz gemeldet. Beispielsweise der Computerverein. Er bot Hilfe an fĂŒr Probleme mit der Anmeldung via Computer und mit Twint.

Und was steht sonst an betreffend dem Projekt Lebensmittelabgabe Arbon?

Wir verschicken jetzt mal PĂ€ckli bis Ende November und testen die Idee aus, auch GemĂŒse reinzutun. Dabei arbeiten wir mit der regionalen Post. Dann kommen die PĂ€ckli gleichentags an. Parallel sind wir dabei herauszufinden, wo es Betriebe gibt, die man vernetzen kann. Unsere Sichtbarkeit durch Medienberichte hat hier gute Wirkung gebracht.

Soll das Angebot auf die ganze Schweiz ausgedehnt werden?

Ja, dafĂŒr wollen wir schliesslich einen Leitfaden erstellen. Er soll als Grundlage dienen fĂŒr den Aufbau von regionalen Lebensmittelabgaben in Gemeinden.

https://mehralszwei.ch/

Bildquellen

  • DSC_1143-Bearbeitet-Bearbeitet_blau: Verein "Mehr als zwei"
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Author: Anja Eigenmann

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