Mikroorganismen als Baustein klimafreundlicher Architektur

Pilze, Bakterien und Flechten an Fassaden galten lange als ästhetisches Problem. Inzwischen zeigt sich jedoch, dass Mikroorganismen gezielt eingesetzt zur Kühlung von Gebäuden, zur Luftreinigung und als Kohlenstoffsenken beitragen können. Cyanobakterien etwa binden durch Photosynthese CO₂ und geben Sauerstoff ab, manche Pilze schützen Oberflächen vor Verwitterung, andere ermöglichen selbstheilenden Beton.

Die Idee, Mikroorganismen als „lebendige Haut“ für Gebäude zu nutzen, ist nicht neu, scheiterte bislang aber an der Haltbarkeit. Aktuelle Forschungsprojekte wie das EU-Vorhaben Remedy untersuchen nun, wie sich sogenannte Biopatina – natürlich angesiedelte Mikroorganismen – dauerhaft nutzen lassen. Parallel entwickeln Teams weltweit mikrobiell aktive Materialien, u. a. selbstheilenden Beton mit eingebetteten Bakterien, die bei Feuchtigkeit Risse verschließen.

Innovative Ansätze wie 3D-gedruckte Hydrogele mit Cyanobakterien oder mikrobiell aktive Fassadentinten sollen künftig CO₂ binden, Luft filtern und Gebäude vor Keimen schützen. Forschende arbeiten zudem an lumineszierenden Mikroben, die Licht erzeugen könnten – etwa als Ersatz für Straßenbeleuchtung.

Das Potenzial ist enorm: Würden zehn Milliarden Quadratmeter europäischer Fassaden mit Cyanobakterien beschichtet, könnten jährlich rund zehn Millionen Tonnen CO₂ gebunden werden – vergleichbar mit dem Speichervermögen eines Waldes aus 400 Millionen Bäumen. Bis zur industriellen Umsetzung bleibt jedoch technologische Feinarbeit nötig, etwa bei der Entwicklung druckschonender Verfahren zur Applikation lebender Tinten.

Bild ©️ pexels.com

https://www.derstandard.de/story/3000000276655/pilze-und-bakterien-auf-fassaden-koennen-haeuser-kuehlen-und-strassen-beleuchten

Author: Sylvia Jacobs

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